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USB-C, USB4 und Thunderbolt 5: Das Kabelchaos wird 2026 endlich besser. Oder?

·Pandorex Redaktion·7 min Lesezeit
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USB-C hat gewonnen. Seit 2024 ist der Stecker in der EU für alle mobilen Geräte Pflicht. Smartphones, Tablets, Laptops, Kopfhörer, Kameras, Powerbanks. Ein Stecker für alles. Das war das Versprechen. Die Realität 2026: Ja, der Stecker ist überall gleich. Aber was durch das Kabel fliesst, ist so unterschiedlich wie nie zuvor.

Das Problem: Ein Stecker, dutzende Protokolle

USB-C ist ein Steckerformat, kein Protokoll. Über den gleichen physischen Anschluss können völlig unterschiedliche Dinge laufen:

  • USB 2.0: 480 Mbit/s. Das, was die meisten günstigen Kabel und viele Smartphones liefern. Reicht für Laden und langsame Datenübertragung.
  • USB 3.2 Gen 1: 5 Gbit/s. Der bisherige Standard für externe SSDs und Hubs.
  • USB 3.2 Gen 2: 10 Gbit/s. Schneller, aber nicht jedes Kabel unterstützt das.
  • USB 3.2 Gen 2x2: 20 Gbit/s. Existiert theoretisch, wird kaum unterstützt.
  • USB4 v1.0: Bis zu 40 Gbit/s. Tunnelt PCIe und DisplayPort. Rückwärtskompatibel mit Thunderbolt 3.
  • USB4 v2.0: Bis zu 80 Gbit/s (symmetrisch) oder 120 Gbit/s (asymmetrisch). Neu seit Ende 2025.
  • Thunderbolt 4: 40 Gbit/s. Intels Implementation über USB-C, mit strengeren Mindestanforderungen als USB4 v1.
  • Thunderbolt 5: 80 Gbit/s symmetrisch, 120 Gbit/s asymmetrisch (Bandwidth Boost). PCIe Gen4 Tunneling. Seit Anfang 2026 in ersten Geräten.

Dazu kommt: Nicht jedes USB-C-Kabel unterstützt jedes Protokoll. Ein USB 2.0 Kabel hat weniger Leitungen als ein USB4-Kabel. Und äusserlich sieht man den Unterschied nicht.

USB4 v2.0: Der lang erwartete Sprung

USB4 v2.0 ist der erste USB-Standard, der mit Thunderbolt 5 gleichzieht: 80 Gbit/s bidirektional, optional 120 Gbit/s in eine Richtung (nützlich für Displays). Technisch basiert es auf PAM-3-Signalisierung statt der bisherigen NRZ-Codierung, was die Datenrate verdoppelt, ohne die physische Verbindung grundlegend zu ändern.

Was USB4 v2.0 kann:

  • Zwei 4K-Displays gleichzeitig oder ein 8K-Display bei 60 Hz
  • Externe GPUs mit voller PCIe-Bandbreite
  • Externe NVMe-SSDs mit Geschwindigkeiten nahe der internen SSD
  • Power Delivery bis 240 Watt (EPR)

Thunderbolt 5: Intels Premium-Gegenstück

Thunderbolt 5 liefert auf dem Papier die gleiche Bandbreite wie USB4 v2.0 (80/120 Gbit/s). Der Unterschied: Thunderbolt hat strengere Mindestanforderungen. Jeder Thunderbolt-5-Port muss die volle Bandbreite liefern. Bei USB4 v2.0 ist das optional.

Thunderbolt 5 bringt ausserdem PCIe Gen4 Tunneling (bis zu 64 Gbit/s für Daten), was besonders für eGPU-Setups und professionelle Videoproduktion relevant ist. Die ersten Geräte mit Thunderbolt 5 sind seit Q1 2026 verfügbar: Intels Arrow Lake Laptops, ausgewählte Lenovo ThinkPads und erste Docking Stations von CalDigit und OWC.

Die Kabelfrage: Darauf muss man achten

Das grösste Praxisproblem bleibt das Kabel. Eine Orientierung:

  • USB 2.0 Kabel (dünn, flexibel): Nur Laden und langsame Daten. Oft beiliegend bei günstigen Geräten. Für Displays und schnelle SSDs unbrauchbar.
  • USB 3.2 Kabel: Bis 10 Gbit/s. Erkennbar am USB-SS-Logo (SuperSpeed). Für die meisten Alltagsaufgaben ausreichend.
  • USB4 / Thunderbolt 3/4 Kabel: 40 Gbit/s. Passiv bis 0,8m, aktiv bis 2m. Oft teurer (25-50 EUR).
  • USB4 v2.0 / Thunderbolt 5 Kabel: 80-120 Gbit/s. Aktive Kabel mit Elektronik im Stecker. 50-80 EUR. Noch wenige am Markt.

Der Rat: Auf das Kabel achten, nicht nur auf den Port. Ein Thunderbolt-5-Laptop an einem USB-2.0-Kabel liefert USB-2.0-Geschwindigkeit. Kein Fehler, kein Bug. Einfach das falsche Kabel.

Was sich 2026 wirklich verbessert

Trotz der Komplexität gibt es echten Fortschritt:

  • USB-IF Zertifizierungslogos: Neue, klarere Logos auf Kabeln und Verpackungen. Statt kryptischer Versionsnummern: Geschwindigkeitsangaben in Gbit/s und Watt direkt auf dem Kabel.
  • Automatische Erkennung: USB4 und Thunderbolt 5 verhandeln automatisch die beste verfügbare Verbindung. Kein manuelles Umschalten nötig.
  • Convergenz: USB4 v2.0 und Thunderbolt 5 sind so ähnlich, dass die Unterscheidung für Endanwender irrelevant wird. Intel hat angekündigt, Thunderbolt-Spezifikationen an den USB-IF zu übergeben.

Fazit: Besser, aber nicht perfekt

USB-C als universeller Stecker ist ein Erfolg. Dass darüber alles von 480 Mbit/s bis 120 Gbit/s laufen kann, ist technisch beeindruckend und für Verbraucher verwirrend zugleich. 2026 wird es besser: USB4 v2.0 und Thunderbolt 5 konvergieren, die Logos werden klarer, und die meisten neuen Premium-Geräte unterstützen mindestens USB4.

Aber das Kabelchaos wird noch ein paar Jahre bleiben. Weil in jeder Schublade Kabel liegen, auf denen nichts steht. Und weil USB 2.0 Kabel 50 Cent kosten und USB4-Kabel 50 Euro. Menschliche Natur erledigt den Rest.

Quellen: USB-IF Spezifikationen, Intel Thunderbolt 5 Whitepaper, AnandTech, The Verge.

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