Kurzfassung: Vultr bestellt für 1,2 Milliarden US-Dollar HPEs erste AMD-Helios-Racks für US-Rechenzentren. Jedes Rack verbindet 72 Instinct-MI455X-GPUs über sechs Ethernet-Switch-Trays. Der Auftrag ist ein wichtiger kommerzieller Test für offene Scale-up-Netze, nennt aber weder Rackzahl noch Lieferplan.
Was im Rack steckt
HPE integriert AMD Instinct MI455X, EPYC-Prozessoren der Generation „Venice“, Pensando-Vulcano-AI-NICs und ROCm. Sechs HPE-Juniper-QFX5252-Switch-Trays koppeln die 72 GPUs innerhalb eines Racks. Laut HPE unterstützt das Design offene Scale-up-Verbindungen wie UALink over Ethernet; Direct Liquid Cooling führt die Abwärme ab. Vultr will die Systeme in seinen US-Cloud-Rechenzentren einsetzen.
Damit verkauft HPE nicht nur Server und Beschleuniger, sondern einen abgestimmten Rack-Stack aus Rechenleistung, Netzwerk, Software und Kühlung. Die Juniper-Technik sitzt direkt im schnellsten Kommunikationspfad: Scale-up verbindet GPUs innerhalb des Systems, während ein separates Scale-out-Netz mehrere Racks oder Cluster koppelt. Diese Trennung ist wichtig, weil Training und große Inferenzlasten empfindlich auf Bandbreite, Latenz und kollektive Kommunikation reagieren.
Bestellt ist nicht ausgeliefert
Die 1,2 Milliarden Dollar sind ein Auftragswert, keine Meldung über bereits realisierten Umsatz. HPE und Vultr veröffentlichen weder Rackzahl, Lieferzeitraum, Vertragsmix noch Stückpreise. Aus der Summe lassen sich deshalb keine belastbaren Kosten pro GPU oder Rack berechnen. Unabhängige Leistungs- oder Effizienzmessungen des fertigen Vultr-Systems liegen ebenfalls nicht vor.
Parallel prognostiziert HPE für sein Rechenzentrums-Netzwerkgeschäft von Geschäftsjahr 2026 bis 2029 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate im niedrigen bis hohen 50-Prozent-Bereich. Die Investor-Präsentation nennt Scale-up-Ethernet und Flüssigkühlung als Treiber. HPE hat zugleich seine Einkaufszusagen für Netzwerkkomponenten verdoppelt und erwartet eine Lockerung der Lieferengpässe erst im Geschäftsjahr 2027. Das sind Unternehmensprognosen, keine bereits erreichten Ergebnisse.
Pandorex Analyse
Der Auftrag macht HPEs Juniper-Übernahme erstmals in einem großen AMD-Scale-up-Rack kommerziell sichtbar. Er stützt die These, dass Cloud-Anbieter neben proprietären GPU-Verbindungen auch Ethernet- und UALink-basierte Architekturen erproben wollen. Bewiesen sind damit weder bessere Gesamtbetriebskosten noch Gleichstand bei Latenz und Software-Reife. „Offen“ beschreibt die Schnittstellenstrategie; der ausgelieferte Stack bleibt eng von HPE, AMD, Juniper und ROCm integriert. Entscheidend werden reale Liefermengen sowie unabhängige Cluster-Messungen sein.
