Kurzfassung: Die EU-Kommission hat ein einheitliches Nachhaltigkeitslabel für Rechenzentren beschlossen. Es ordnet Strom- und Wassereffizienz getrennt in Klassen von A bis G ein; die ersten elektronischen Labels sollen bis 15. August 2027 erscheinen. Der entscheidende Vorbehalt: Gute Effizienzwerte sagen nichts über den absoluten Verbrauch einer großen Anlage aus.
Zwei Klassen statt einer Gesamtnote
Für die Energieeffizienz nutzt die Verordnung Power Usage Effectiveness (PUE): Klasse A gilt bis 1,15, G oberhalb von 1,9. Water Usage Effectiveness (WUE) erhält eine eigene Skala; A reicht bis 0,1, G beginnt oberhalb von 1,0. Das Label zeigt außerdem Standort und Größenklasse, den Energiemix, Kühlgradtage sowie, ob ein Rechenzentrum Netzflexibilität anbietet und für Abwärmenutzung vorbereitet ist.
Erfasst sind die bereits meldepflichtigen Anlagen mit mindestens 500 kW installierter IT-Leistung. Kleinere und noch nicht in Betrieb befindliche Rechenzentren können freiwillig teilnehmen. Die EU-Datenbank erzeugt die Labels jährlich automatisch aus den gemeldeten Kennzahlen; Betreiber müssen sie auf Anfrage elektronisch zugänglich machen.
Der delegierte Rechtsakt ist noch nicht in Kraft. Europäisches Parlament und Rat können innerhalb von zwei Monaten widersprechen. Bleibt ein Einspruch aus, tritt die Verordnung 20 Tage nach ihrer Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft.
Pandorex Analyse: Effizient kann trotzdem riesig sein
Das Label veröffentlicht für einzelne Anlagen keine absolute Strom- oder Wassermenge und bildet auch keine Gesamtnote. Ein Hyperscale-Rechenzentrum kann daher eine sehr gute PUE erreichen und wegen seiner Größe dennoch mehr Energie verbrauchen als eine kleinere, schlechter bewertete Anlage. Die Verordnung erkennt weitere Vergleichsgrenzen selbst an: Ein Begleitdokument muss Klima, Größe, Alter und Auslastung sowie den Zielkonflikt zwischen PUE und WUE erklären. Aggregierte Gesamtverbräuche sollen nur auf Mitgliedstaaten- und EU-Ebene öffentlich werden.
Damit ist das System zunächst Transparenz- und Vergleichsinfrastruktur, kein Verbrauchsdeckel. Die Kommission beziffert den Strombedarf der EU-Rechenzentren für 2024 auf 68 TWh und erwartet 114 TWh beziehungsweise 3,2 Prozent der EU-Stromnachfrage im Jahr 2030. Parallel läuft seit Januar 2026 eine rund zweijährige Studie zu verbindlichen Mindeststandards. Das Label schafft dafür eine Datengrundlage, nimmt die politische Entscheidung über Grenzwerte aber nicht vorweg.
